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Kinderbilder bewerten – so begleitest du Kinder beim Malen

Beim Malen geht es um mehr als ein schönes Bild 🧡

Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass Kinder den Glauben an sich selbst behalten, wenn sie größer werden – und dabei niemals vergessen, was ihre eigenen Träume sind.

Beim Malen können wir ihnen dafür einen wunderbaren Raum geben. Einen Raum, in dem nicht ständig gefragt wird: Ist das richtig? Ist das schön? Ist das gut genug? Denn beim kreativen Ausdruck darf erst einmal alles sein.

Kinderbilder bewerten wir Erwachsenen oft ganz automatisch. Dabei kann beim Malen etwas viel Wertvolleres entstehen, wenn wir den Blick vom fertigen Bild auf das Kind und seinen Malprozess richten.

Warum ich Kinderbilder in meinen Kursen nicht bewerte 🎨

Ein Bild kann Ausdruck einer momentanen Stimmung, eines Bedürfnisses, einer Idee oder eines Gefühls sein. Deshalb möchte ich ein Kinderbild nicht vorschnell mit „schön“, „gut“ oder „das kannst du aber toll“ bewerten.

Wir Erwachsenen haben häufig gelernt, unsere Gefühle zu kontrollieren oder sogar zu verstecken. Tränen, Angst, Trauer oder Wut passen nicht immer in das Bild, das wir gerne nach außen zeigen möchten.

Aber stell dir vor, du bist gerade richtig wütend auf jemanden – und eine gute Freundin sagt dir, deine Wut sei völliger Unsinn. Vielleicht meint sie es gut. Trotzdem ist deine Wut in diesem Moment da. Wie würdest du dich fühlen, wenn dir jemand erklärt, dass du eigentlich gar nicht so fühlen solltest?

Auch Kinder möchten mit dem, was gerade in ihnen lebendig ist, ernst genommen werden.

Was sage ich, wenn mir das Bild meines Kindes nicht gefällt?

Vielleicht kennst du das: Dein Kind kommt stolz mit einem Bild zu dir – und du weißt im ersten Moment gar nicht, was du sagen sollst. Vielleicht findest du das Bild selbst nicht besonders schön. Vielleicht erkennst du nicht einmal, was darauf zu sehen ist. Oder du denkst insgeheim: Oh je … und was sage ich jetzt? 😄

Du musst weder schwindeln noch automatisch sagen: „Oh, wie wunderschön!“

Denn ein Kinderbild muss dir nicht gefallen. Es kann Ausdruck einer Stimmung, eines Bedürfnisses, eines Gefühls oder einfach eines wilden kreativen Moments sein. Viel spannender als deine Bewertung ist deshalb das, was dein Kind selbst beim Malen erlebt hat.

Hör deinem Kind lieber zu. Lass dir von seinem Bild erzählen, stell ihm Fragen und schenke ihm für einen Moment deine ungeteilte Aufmerksamkeit. Denn während dein Kind erzählt, kannst du manchmal viel mehr über seine Gedanken, seine Stimmung und seine Bedürfnisse erfahren als durch das Bild allein.

Wenn du gerade nicht weißt, was du sagen sollst, kannst du zum Beispiel fragen:

„Erzählst du mir etwas über dein Bild?“
„Was gefällt dir selbst daran besonders?“
„Was hat dir beim Malen am meisten Spaß gemacht?“
„Wie bist du auf diese Idee gekommen?“
„Gibt es etwas auf deinem Bild, das dir besonders wichtig ist?“

Und dann: zuhören. Nicht gleich erklären, verbessern oder die nächste Frage hinterherschieben. Lass dich nicht ablenken und schau, was dein Kind dir erzählen möchte.

Vielleicht hat es mit Begeisterung Farben gemischt. Vielleicht steckt hinter dem vermeintlichen Gekritzel eine ganze Geschichte. Vielleicht findet dein Kind ausgerechnet den Teil großartig, den du überhaupt nicht verstanden hast. Und vielleicht erfährst du dabei etwas über dein Kind, das du ohne dieses Bild gar nicht erfahren hättest.

So richtest du deinen Blick weg von „schön oder hässlich“ und hin zu dem, was dein Kind erlebt, entschieden, ausprobiert und ausgedrückt hat.

Aus der Bewertung wird eine kleine Lauschzeit. 🧡

Und dein Kind kann dabei etwas sehr Wertvolles spüren:

Du interessierst dich nicht nur für mein Bild. Du interessierst dich für mich.

Wenn beim Malen plötzlich Tränen oder Wut kommen 🧡

Nicht jedes Malen endet mit einem Kind, das glücklich und stolz sein Bild hochhält. Manchmal ist es ganz anders: Das Kind wird wütend, weil etwas nicht so geworden ist, wie es wollte. Es möchte das Bild zerreißen, schimpft, wirft vielleicht den Pinsel hin oder fängt an zu weinen.

Und dann stehen wir Erwachsenen daneben und möchten am liebsten sofort helfen: „Ach komm, das ist doch gar nicht schlimm.“ – „Das sieht doch trotzdem schön aus.“ – „Ich helfe dir, dann machen wir das wieder richtig.“

Damit meinen wir es gut. Aber vielleicht braucht das Kind in diesem Moment etwas anderes.

Als Erstes kannst du versuchen, bei deinem Kind zu bleiben, statt sofort das Bild zu retten. Du könntest sagen:

„Oh, du bist gerade richtig wütend.“

„Das ist ganz anders geworden, als du es wolltest, oder?“

„Du bist gerade traurig darüber.“

Du musst das Gefühl nicht wegmachen. Oft hilft es schon, wenn ein Kind merkt: Da sieht jemand, wie es mir gerade geht.

Dann kannst du fragen: „Was brauchst du jetzt?“ Vielleicht möchte dein Kind kurz aufhören. Vielleicht möchte es weinen oder erzählen. Vielleicht braucht es deine Nähe. Vielleicht möchte es das Bild erst einmal weglegen. Und vielleicht möchte es tatsächlich Hilfe – dann kannst du gemeinsam überlegen, welche Art von Hilfe es sich wünscht.

Wenn dein Kind bereit ist, könnt ihr auch neugierig auf das Bild schauen: „Was stört dich daran?“ „Was hattest du dir anders vorgestellt?“ „Möchtest du etwas verändern oder soll es erst einmal so bleiben?“

Wichtig finde ich dabei: Nicht ungefragt übernehmen und das Bild für das Kind „reparieren“. Wenn wir schnell selbst zum Pinsel greifen, ist das Bild vielleicht gerettet – aber das Kind hatte keine Gelegenheit herauszufinden, wie es selbst mit diesem Moment umgehen möchte.

Und wenn dein Kind das Bild wirklich nicht mag? Auch das darf sein. Es muss nicht jedes Bild lieben, aufheben oder stolz präsentieren. Manchmal gehört zum kreativen Prozess auch ein Bild, mit dem man unzufrieden ist.

So kann aus einem schwierigen Malmoment etwas Wertvolles entstehen: Das Kind erlebt nicht nur „Ich darf wütend oder traurig sein“, sondern auch „Ich kann herausfinden, was ich jetzt brauche und wie es für mich weitergeht.“

Kinder brauchen nicht ständig neue Techniken

In meinen Malkursen arbeiten Kinder innerhalb eines bestimmten Rahmens frei und treffen eigene Entscheidungen.

Wenn sie eine Technik lernen möchten oder Hilfe brauchen, kommen sie häufig von selbst auf mich zu. Denn Kinder befinden sich nicht ständig im „Neulernmodus“.

Manchmal möchten sie einfach ausprobieren.

Matschen. Mischen. Beobachten. Wieder übermalen. Etwas erfinden. Oder einfach genießen, was sie gerade tun.

Und auch das ist Lernen.

Beim Malen gibt es nicht nur richtig oder falsch

Kinder dürfen ausprobieren und dabei ihre eigenen Erfahrungen machen. Gerade Kreativität braucht einen Raum, in dem nicht jedes Ergebnis sofort nach bestimmten Kriterien beurteilt wird.

Denn was bedeutet beim Malen überhaupt richtig oder falsch?

Ein Kind kann einen Baum blau malen. Einen Himmel rosa. Einen Menschen winzig klein und eine Katze riesengroß.

Vielleicht steckt eine Geschichte dahinter. Vielleicht gefällt ihm einfach die Farbe. Vielleicht wollte es ausprobieren, wie es aussieht.

Wir müssen nicht alles sofort erklären oder korrigieren.

Manchmal dürfen wir einfach neugierig sein.

Das Kind steht im Mittelpunkt – nicht das Bild

Für mich ist das einer der wichtigsten Gedanken überhaupt:

Nicht das Bild muss „gut“ sein. Das Kind muss auch nichts leisten, um gut zu sein.

Ein Fehler ist nicht das Kind selbst. Ein Fehler ist eine Erfahrung, die ein Kind machen und aus der es etwas lernen kann.

Deshalb verbessere ich ein Bild nicht einfach, wenn es für das Kind selbst in Ordnung ist. Ich gebe auch nicht ungefragt Ratschläge, wie es „schöner“ aussehen könnte.

Denn dabei könnte schnell etwas verloren gehen, das viel wertvoller ist als ein perfektes Ergebnis: der eigene Ausdruck.

Freude am Tun statt Freude an der Bewertung 🌞

Das Kind steht für sich als einzigartiger Mensch mit seinen Gedanken, Erfahrungen und Gefühlen.

Und das Bild darf ebenfalls für sich stehen.

Beim kreativen Arbeiten interessiert mich deshalb besonders die Freude während des Tuns – nicht nur das Ergebnis am Ende.

Kinder erleben ohnehin viele Situationen, in denen Leistungen verglichen und bewertet werden. Beim Malen können wir ihnen einen anderen Erfahrungsraum schenken.

Hier darf ein Bild einfach entstehen.

Jedes Kind entwickelt sich anders

Kinder sind unterschiedlich. Sie befinden sich an verschiedenen Punkten ihrer Entwicklung, bringen unterschiedliche Erfahrungen mit und wachsen in ganz individuellen Familien und Lebenswelten auf.

Beim Vergleichen finden wir immer jemanden, der schneller rennt, höher springt, genauer malt, seine Hausaufgaben schneller erledigt oder schon fehlerfrei ein Instrument spielt.

Aber was ist eigentlich perfekt?

Ganz ehrlich: Ich kann das auch nicht alles. 😄

Deshalb möchte ich Kinder dort abholen, wo sie gerade stehen – und nicht dort, wo sie meiner Meinung nach schon sein müssten.

Woher kommen dann neue Ideen? 🎨

Freiheit beim Malen bedeutet für mich nicht, dass ich den Kindern einfach Papier hinlege und mich zurückziehe.

Ich gebe Impulse und gestalte die Malstunden lebendig und abwechslungsreich. Eine Idee kann mit einer Fantasiereise beginnen, mit einem Malspiel, einer Begegnung mit einem Tier oder einem gemeinsamen Ausflug in den Wald. Auch Krafttiere können Kindern wunderbare Impulse für eigene Bilder und Geschichten geben.

Wir beobachten achtsam. Wir schauen uns Dinge ganz genau an. Wir lassen uns voneinander inspirieren, holen uns Hilfe und stellen Fragen.

Und manchmal wechseln wir einfach den Blickwinkel.

Ein kleiner Tipp, den du direkt ausprobieren kannst:

Lass dein Kind einmal aus der Sicht seines Kuscheltieres malen. 🧸

Was sieht der Teddy? Wie groß ist für ihn der Tisch? Wie sieht Mama aus seiner Perspektive aus? Was entdeckt er, das wir Erwachsenen vielleicht längst übersehen?

So entstehen neue Ideen – nicht durch die Vorgabe, was ein Kind malen soll, sondern durch Neugier.

Kinderbilder nicht bewerten heißt nicht, Kinder allein zu lassen 🧡

Für mich bedeutet eine liebevolle Begleitung nicht, nichts zu sagen und nichts anzubieten.

Es bedeutet, aufmerksam zu sein. Fragen zu stellen. Impulse zu geben. Unterstützung anzubieten, wenn sie gebraucht wird – und gleichzeitig genügend Raum zu lassen, damit das Kind seine eigenen Erfahrungen machen kann.

Manchmal braucht ein Kind eine Idee.

Manchmal eine helfende Hand.

Und manchmal braucht es einfach einen Erwachsenen, der danebensteht und sagt:

„Erzähl mir von deinem Bild.“

Denn vielleicht ist genau das viel wertvoller als jedes „Das hast du aber schön gemalt.“

Wenn du lernen möchtest, Kinder beim Malen nicht nur mit schönen Ideen zu beschäftigen, sondern sie in ihrem eigenen Ausdruck wahrzunehmen und zu begleiten, dann schau gern bei meiner Kreativcoach-Ausbildung vorbei.

Dort geht es unter anderem darum, kreative Prozesse zu begleiten, aufmerksam zuzuhören, gute Fragen zu stellen und Kindern Raum für ihre eigenen Bilder, Gefühle und Erfahrungen zu geben.

→ Kreativcoach-Ausbildung & Liebevolles Malen entdecken

Dori 🧡

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