Manchmal bietet uns das Leben eine Gelegenheit, mit der wir überhaupt nicht gerechnet haben.
Gelegenheiten ergreifen braucht manchmal Mut. Besonders dann, wenn sie ganz unerwartet auftauchen.
Und dann haben wir vielleicht nur einen kurzen Moment, in dem wir entscheiden: Traue ich mich – oder lasse ich die Gelegenheit vorbeiziehen?
Oft ist es gar nicht so, dass uns die Ideen fehlen. Vielleicht ist die Idee sofort da. Vielleicht wissen wir sogar ziemlich genau, was wir gerne tun würden.
Und trotzdem zögern wir.
Kann ich das wirklich? Bin ich gut genug? Darf ich das überhaupt? Was ist, wenn es nicht gelingt?
Ich habe einmal erlebt, was passieren kann, wenn zwischen Gelegenheit und Handeln kaum Zeit zum Zweifeln bleibt.
Eine freie Wand – und plötzlich war das Bild da
Ich war zu Besuch bei einer Freundin in Nieheim.
Wir kamen am alten Pfarrhaus vorbei und sie erzählte mir, dass diese freie Fläche schon lange bemalt werden sollte. Aber bisher hatte niemand eine richtige Idee dafür.
Und bei mir passierte etwas ganz anderes:
Ich sah die Fläche und hatte sofort ein Bild im Kopf.
Eine Sonne. Licht. Regenbogenfarben.
Ich musste nicht lange darüber nachdenken. Die Vision war einfach da.
Dieses Vertrauen in den eigenen Impuls lässt sich auch beim Malen wiederentdecken. Bei der Pinseltante findest du dazu die Malübung „Hoffnung steckt in dir“.
Meine Freundin fand die Idee gut und bat mich, sie auf einen Zettel zu malen.
Und während ich wahrscheinlich noch dabei war zu begreifen, was gerade passierte, rief sie schon den Pfarrer an.
„Sie darf loslegen.“

Der Pfarrer kannte mich nicht.
Er hatte keine Ahnung, ob ich überhaupt malen konnte. Er hatte noch nie ein Bild von mir gesehen.
Und trotzdem kam die Antwort:
Ja. Sie darf. Sie kann loslegen.
Ich konnte es selbst kaum glauben.
Eben war ich noch zu Besuch bei meiner Freundin – und kurz darauf stand ich im Farbengeschäft und besorgte alles, was ich für meine Wandmalerei brauchte.
Als die Farben und Materialien zusammen waren, konnte ich anfangen.
Und dann malte ich meine Vision auf das alte Pfarrhaus.
Gelegenheiten ergreifen, bevor der Mut wieder verschwindet
Im Nachhinein hätte ich mir hundert Gründe überlegen können, warum ich es lieber nicht machen sollte.
Ich bin hier nur zu Besuch.
- Das ist ein altes Pfarrhaus!
- Der Pfarrer kennt mich überhaupt nicht.
- Was ist, wenn ich die Wand ruiniere?
- Was ist, wenn mein Bild niemandem gefällt?
- Aber dafür blieb glücklicherweise kaum Zeit.
Die Gelegenheit war da.
Meine Idee war da.
Die Erlaubnis war da.
Also habe ich es gemacht.
Und genau das ist etwas, das ich aus dieser Geschichte bis heute mitgenommen habe:
Gelegenheiten kommen nicht immer dann, wenn wir uns bereit fühlen.
Manchmal stehen sie plötzlich vor uns.
Mut bedeutet nicht, vorher zu wissen, dass alles gelingt

Wir warten so oft darauf, uns sicher zu fühlen.
Erst noch ein bisschen besser werden. Noch etwas lernen. Noch einmal darüber schlafen. Andere fragen, was sie davon halten.
Aber manche Erfahrungen entstehen nur, weil wir uns trotz der Unsicherheit bewegen.
Das bedeutet natürlich nicht, jeder spontanen Gelegenheit blind hinterherzulaufen.
Aber wenn etwas in dir plötzlich lebendig wird, wenn eine Möglichkeit auftaucht und du gleichzeitig dieses deutliche „Ja, das möchte ich!“ spürst, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
Vielleicht ist nicht die Frage:
„Bin ich dafür gut genug?“
Sondern:
„Was könnte entstehen, wenn ich mich traue?“
Und dann kam sogar noch die Zeitung
Nach meinem Besuch fuhr ich wieder nach Hause.
Für mich war die Geschichte eigentlich schon besonders genug: Ich war zu Besuch gekommen und hatte am Ende ein Pfarrhaus bemalt.
Doch dann erfuhr ich, dass sogar ein Zeitungsartikel über die Wandmalerei erschienen war.
Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Als ich wieder zuhause war, erfuhr ich, dass sogar ein Zeitungsartikel über die Wandmalerei erschienen war. Darüber habe ich mich natürlich riesig gefreut.
Aus einer beiläufigen Bemerkung meiner Freundin war innerhalb kürzester Zeit etwas entstanden, das geblieben ist.
Und alles begann mit einer Gelegenheit, bei der ich Ja gesagt habe.
Welche Gelegenheit lässt du gerade vorbeiziehen?
Vielleicht muss es bei dir keine riesige Wand sein.
Vielleicht ist es ein Kurs, den du schon lange besuchen möchtest. Eine Idee, die du zeigen könntest. Eine Reise. Ein Gespräch. Ein Bild. Eine Bewerbung. Oder jemand fragt dich etwas und dein erster Gedanke ist eigentlich:
Oh ja!
Und gleich danach kommen die Zweifel.
Auch beim intuitiven Malen kannst du üben, weniger zu kontrollieren und deinen eigenen Impulsen wieder mehr zu vertrauen.
Dann erinnere dich vielleicht an meine Wand in Nieheim.
Du musst nicht immer wissen, was am Ende dabei herauskommt.
Manchmal reicht für den Anfang:
Die Gelegenheit ist da. Ich möchte es. Ich darf es. Also probiere ich es.
Mein Urlaub in Nieheim hat mir etwas geschenkt, das weit über dieses Bild hinausgeht:
Manchmal öffnet sich eine Tür ganz unerwartet. Und dann müssen wir uns nur noch trauen, hindurchzugehen. ☀️🌈

